Lexikon

Lexikon

Abbasiden
Die Abbassiden herrschten von 749 bis 1258. Ihre Dynastie umfaßte 37 Kalifen und stammt von Abbas, einem Onkel des Propheten ab. Die Abbasiden lösten die Dynastie der Ummayaden ab. Ihre Herrschaft endete nach einer langen Phase des Niedergangs durch den Mongolensturm.
zurück

Abu Bakr
Abu Bakr ist einer der ersten Muslime und der Vater von >>Aischa. Er wurde der erste Kalif (632-634) nach dem Tode des Propheten.
zurück

Abu Hanifa
Ein großer Rechtsgelehrter (gest. 767) und Begründer der hanafitischen Rechtsschule.
zurück

Abu Huraira
Ein Gefährte des Propheten und Überlieferer zahlreicher seiner Aussprüche (Ahadith). Seinen Namen “Vater des Kätzchens” erhielt er aufgrund seiner Vorliebe für Katzen.
zurück

Abu Lahab
Ein Onkel des Propheten und einer seiner größten Feinde. Auf ihn bezieht sich die 111.Sure des Koran.
zurück

Abu Sufjan
Abu Sufjan war ein Führer der >>Quraisch und bekämpfte den Propheten lange Zeit. Er bekannte sich schließlich zum Islam und übergab Mekka kampflos dem Propheten.
zurück

Abu Talib
Ein Onkel des Propheten und Vater von >>Ali. Er nahm Muhammad nach dem Tod seines Großvaters auf und der Prophet stand bis zu seinem Tod (Jahr 3 vor der Higra) unter seinem Schutz.
zurück

Adam
Der erste Mensch und gleichzeitig der erste Prophet. Adam und Eva (Hawa) mußten das Paradies verlassen, nachdem sie Gottes Gebot übertreten hatten. Gott verzieh ihnen jedoch, nach dem sie bereuten.
zurück

‘Adl
Gerechtigkeit. Die Bewahrung der Gerechtigkeit ist eine der wichtigsten Aufgaben des Gläubigen: “O ihr, die ihr glaubt! Setzt euch für Allah ein und seid Zeugen für die Gerechtigkeit. Und der Haß gegen eine Gruppe soll euch nicht (dazu) verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Allah; wahrlich Allah ist eures Tun kundig.” (5:8)
zurück

Adhan
Ruf zum >>Gebet. Die Zeit zum Gebet wird mit dem Gebetsruf bekannt gemacht. Neugeboren wird der Adhan ins Ohr gesprochen.
Allahu akbar (4x) (Allah ist größer)
Aschhadu an la ilaha illa llah (2x) (Ich bezeuge, daß es keine Gottheit gibt außer Gott)
Aschhadu anna muhammada rasulu-lah (2x) (Ich bezeuge, daß Muhammad der Gesandte Gottes ist)
Haija ‘ala-s-salah (2x) (Kommt her zum Gebet)
Haija ‘ala-l-falah (2x) (Kommt her zum Heil)
Allahu akbar (2x) (Gott ist größer)
La ilaha illa llah (Es gibt keine Gottheit außer Gott)
zurück

Ahlu-l-Kitab
Leute der Schrift. Die koranische Bezeichnung für die Glaubensgemeinschaften, die vor dem Koran eine Offenbarungsschrift erhalten haben. Meist als Bezeichnung für Juden und Christen verwendet. Muslimische Männer dürfen Frauen der Ahlu-l-Kitab heiraten.
zurück

Aja
Zeichen. Bezeichnung für die Verse des Koran (29:48)
zurück

‘Aischa
Aischa ist die Tochter >>Abu Bakrs und eine der Frauen des Propheten. Sie hat zahlreiche Ahadithe (Aussprüche des Propheten) überliefert und aufgrund ihres Wissens eine große Gelehrte ihrer Zeit.
zurück

‘Ali
Vetter und Schwiegersohn des Propheten und einer seiner treuesten Anhänger. Er heiratete Muhammads Tochter Fatima und hatte von ihr zwei Söhne, >>Hassan und >>Husain. Er wurde der vierte Kalif der Muslime von 656 bis 661, dem Jahr seiner Ermordung. Der >>Schi’a gilt ‘Ali als der rechtmäßige Imam vor allen anderen.
zurück

Alkohol
Im Koran wird der Genuß von Alkohol und anderen Rauschmitteln den Gläubigen verboten. Dieses Verbot wird dadurch begründet, daß der Schaden den möglichen Nutzen überweigt. (2:216)
zurück

Allah
Gott. Allah bedeutet eigentlich “der Gott”, d.h. der eine, einzige Gott, der allein und unvergleichbar ist. Er ist immer lebend, allwissend, allmächtig, allhörend, wissend, sehend und hat viele weitere Eigenschaften, die im Koran genannt werden, ohne daß diese mit den Eigenschaften der Menschen vergleichbar wären. Sure 112 beschreibt Allahs Einzigartigkeit:
Sprich: “Er ist Allah, ein Einziger. (1)
Allah, der Absolute (2)
Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden (3)
und ihm ebenbürtig ist keiner. (4)
zurück

Almosen >>Sadaqa

Amina
Mutter Muhammads. Sie starb, als der Prophet ca. 6 Jahre alt war.
zurück

Andalusien
Die iberische Halbinsel, die bis zum 15. Jahrhundert weitgehend islamisch war. Von 705 bis 1030 regierten die Umaijaden von Cordoba, später die aus Nordafrika kommenden Almoraviden und Almohaden. Die “Rückeroberung” (Reconqista) durch die christlichen Könige beendete eine Zeit der fruchtbaren Begegnung zwischen Islam und Abendland, die von großer Bedeutung für Europa gewesen ist.
zurück

Ansar
Helfer. Bezeichnung für die Einwohner der Stadt Madina, die nach der >>Hidschra den aus Mekka zugezogenen Einwandern Beistand leisteten. (9:101)
zurück

zurück

Buchari
Mit >>Muslim der anerkannteste Traditionswissenschaftler, auf den das Sammelwerk “Sahih-al-Buchari” zurückgeht, das rund 7000 >>ahadith über Sagen, Tun und Tolerieren des Propheten enthält. Buchari (gest. 870) aus Buchara (heutiges Usbekistan) nahm fast nur ahadith aus der Kategorie >>sahih in seine Sammlung auf.
zurück

Beratung (Schura)
Die einzige Perspektive für die muslimische Welt. Wir brauchen eine Wiederentdeckung der Wege des Dialogs und des Pluralismus innerhalb der muslimischen Gemeinschaften in religiöser, kultureller und politischer Hinsicht. Die Legitimität der Macht besteht nach den islamischen Prinzipien darin, vom Volk gewählt zu sein. Da es nun keine Wahl ohne Freiheit gibt, muss diese Freiheit dem Volk gewährt werden.
(Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

Dschihâd
Der Begriff hat nichts mit der Formel vom “Heiligen Krieg” zu tun (ein der Geschichte des Westens entliehener Begriff). Dschihâd bedeutet “Anstrengung” gegen die Versuchungen der Gewalt und der Aggressivität, die der Mensch in sich trägt. Auf der militärischen, sozialen und politischen Ebene bedeutet er “Widerstand” gegen Aggression, Ungerechtigkeit und Ausbeutung mit allen legalen Mitteln. Viele Grüppchen benutzen den Begriff, um ihre Aktionen zu legitimieren, die in völligem Gegensatz zu den islamischen Prinizipien stehen.
(Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

(al-)Fatiha
Die Eröffnende; Bezeichnung für die erste >>Sure des Koran, die in jedem Gebet gesprochen wird.
zurück

Fatima
Tochter des Propheten Muhammd und der Chadidscha, die mit >>Ali verheiratet war. Sie ist Mutter von >>Hasan und >>Husain und verstarb 6 Monate nach dem Propheten.
zurück

Frauen
Es gilt, einen Kampf zu führen gegen die Infantilisierung, die Entrechtung und andere Ungerechtigkeiten, welche die Frauen erleiden und für die der Islam nicht verantwortlich ist. Es gilt ebenso, den Stimmen engagierter Musliminnen Gehör zu schenken, die im Namen der Werte des Islam und gegen die verwurzelten alten Traditionen gegen Ungerechtigkeit und Entwürdigung kämpfen.
(Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

Gemäßigt
Das beliebteste Adjektiv der politischen Klasse und Journalisten, mit dem auch diejenigen Musliminnen und Muslime bezeichnet werden, die ihnen “akzeptabel” erscheinen. Allerdings ist der Gebrauch des Adjektivs meist willkürlich und beruht auf ausgesprochen subjektiven Kriterien: bei den “Gemäßigten” handelt es sich heute zumeist um nichtpraktizierende Muslime. Der Respekt vor ihrer Entscheidung darf nicht das Recht der Muslime vergessen machen, einfach die Reglen ihrer Religion zu beachten, ohne als Fanatiker zu gelten. Viele Musime verstehen es, die Anforderungen ihrer Praxis mit der Mäßigung in ihrem alltäglichen Leben zu verbinden: dieser Verbindung haftet nichts “Verdächtiges” an.
(Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

k

Hadith
Bericht. Bezeichnung für die Bericht, in denen die >>sunna des Propheten Muhammad überliefert wurde. Ein hadith besteht aus der Kette der Überlieferer (isnad) und dem Text (matn). Die ahadith wurden zunächst größtenteils mündlich überliefert und dann niedergeschrieben. Die bekanntesten Sammlungen sind >>Buchari und >>Muslim.
zurück

Hassan
Der ältere Sohn von >>Ali und >>Fatima, von der >>Schi’a als zweiter Imam gezählt. Er lebte von 625 bis 672.
zurück

Hidschra
Auswanderung. Im Jahre 622 verließen die Muslime die Stadt Mekka, wo sie immer stärker bedrängt wurde und wanderten nach Madina aus. Der Prophet verließ Mekka als einer der letzten zusammen mit Abu Bakr. Mit der Hidschra beginnt die islamische Zeitrechnung (622 ist das Jahr 1 der Hidschra). Ihr gingen die Übereinkünfte von Aqaba mit den Einwohnern Madinas voraus.
zurück

Husain
Der jüngere Sohn von >>Fatima und >>Ali, von der >>Schi’a als dritter Imam gezählt. Husain wurde 627 geboren. Er erhob sich gegen Jazid, mit dessen Einsetzung das Kalifat der >>Umaijaden erblich gemacht wurde. Am 10. Muharram 680 fiel er im Kampf gegen Jazids Soldaten bei Kerbela. Sein Tod ist nicht nur der Schi’a, sondern auch vielen Muslimen Symbol für den Kampf des Muslim gegen Unterdrückung.
zurück

Imam
Leiter des Gebetes, der vor den Reihen der Betenden steht, die ihm folgend das Gebet verrichten. Es gibt im Islam kein Priestertum. Imam kann jedermann sein, der die Verrichtung des Gebetes versteht, volljährig, männlich und Muslim ist. Wo nur Frauen beten, leitet eine Frau das Gebet.
zurück

Imam
Führer der Muslime, der nach der Affassung der >>Schi’a aus der Familie des Propheten über >>Ali und >>Fatima stammen muß. Der Imam hat nach der Auffassung der Schi’a über die Funktion des Kalifen hinaus eine besodnere Aufgabe in der Führung und geistigen Leitung der >>umma, vor allem in Fragen der >>Sunna und des Rechts.
zurück

Inscha’llah
So Gott will, ein Satz, den Muslime dem Koran nach (18:23) allen Absichtserklärungen hinzufügen sollen.
zurück

Integration
Die Integration der Muslime ist in Europa im Gang. Der Wille zur Bewahrung der Identität und Praxis bedeutet keineswegs, dass sie die soziale und bürgerliche Partizipation verweigern müssen. Die muslimischen Organisationen engagieren sich mehr und mehr in einem positiven Prozess der Integration, der drei grundlegende Bedingungen erfüllt: bürgerliche Partizipation, politische Unabhängigkeit und finanzielle Selbständigkeit.
(Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

Islamischer Staat
Der Slogan so vieler Bewegungen, die das Ideal der islamischen Gesellschaft mit der bloßen Verfügung über die Macht und die Strukturen des Staates verwechselt haben. Die muslimischen Reformer haben indes durch ihr Engagement für mehr soziale Gerechtigkeit, Bildung, Freiheit und bürgerliche Partizipation einen Weg gewiesen. Ohne diese Reformen wird ein Staat, auch wenn er islamisch genannt wird, zu einem bloßen Alibi.
(Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

Islamophobie
Laut einer Meinungsumfrage vom Mai 2006 zufolge halten 83 Prozent der Deutschen den Islam für eine von Fanatismus gepraegte Religion. Islamophobie beruht demnach vor allem auf mangelndem Differenzierungsvermoegen: für die Taten einiger Extremisten wird die Religion als solche verantwortlich gemacht. Waehrend selbst in den besten Zeiten des Ku-Klux-Clans niemand auf die Idee gekommen waere, diesen als massgeblichen Repraesentanten des Christentums anzusehen, scheinen nicht wenige Menschen zu glauben, dass Usama bin Laden und seine Anhaenger das tiefere Wesen des Islam verkoerpern. Muslime, Islamisten, Extremisten, Terroristen - die Grenzen zwischen diesen Begriffen verschwimmen immer mehr, so dass alles, was irgendwie islami[sti]sch anmutet, ein dumpfes Gefühl der Bedrohung verursacht.
Genaehrt wird diese Phobie auch von der Behauptung, dass alle Muslime die gleiche boese Absicht verfolgen: Die Welteroberung oder Weltunterwanderung (auch als Migration bekannt). Migranten aus muslimischen Laendern sind in dieser Vorstellung nichts als die fuenfte Kolonne des “Islam-Faschismus” (so die neueste Vokabel, die Bush sich hat erfinden lassen - “Achse des Boesen” scheint out zu sein). Und aus Europa wird demnaecht “Eurabien”. (Ueberhaupt haben die Islamophobiker mittlerweile schon ein betraechtliches Fach-Vokabular entwickelt: “Gottesstaatler” und “Gotteskrieger” gehoeren auch dazu.)
Einen wesentlichen Anteil an diesem Phaenomen haben Medienmacher, die entweder nicht in der Lage oder nicht willens sind, differenziert zu berichten (vgl.
Der Islam in den Medien). In manchen Faellen wird auch ganz gezielt gehetzt. Von seinen eigenen Erfahrungen berichtet der Rapper Ammar in seiner Trilogie “Die andere Seite des Spiegels”. Unbedingt anhoeren!
Wie alles begann
Das Verhör
Ich schlag zurück
zurück

Isnad
Überliefererkette. Reihe der Namen derjenigen Personen, die ein >>hadith vom Propheten überlieferten. Ein wesentliches Element für die Prüfung der Verläßlichkeit eines hadith ist der unstrittige isnad, der lückenlos sein muß und nur auf Männern und Frauen untadeligen Charakters beruhen kann.
zurück

Kalif
Nachfolger, Stellvertreter. Bezeichnung für den Stellvertreter des Propheten Muhammad nach dessen Tod in der Leitung der >>umma, aber nicht im Prophetentum, das mit Muhammad abgeschlossen ist. Der Kalif sollte durch die Wahl oder Ernennung bestimmt werden, doch ist sein Amt im Laufe der Geschichte oftmals machtpolitischen Überlegungen zum Opfer gefallen. Offiziell wurde das Kalifat in der Türkei im Jahre 1924 abgeschafft. Der Koran bezeichnet den Menschen als Kalif (Sachwalter) Gottes auf der Erde (2:28).
zurück

Kampf der Kulturen
Ein Begriff, der 1993 von Samuel Huntington geprägt wurde, und seither als Erklärung für alle möglichen Konflikte angewandt wird, um zu verschleiern, worum es wirklich geht. Dazu in der gewohnten Deutlichkeit Uri Averny:
“Von Zeit zu Zeit erfindet in den USA jemand einen leeren, aber leicht verständlichen Spruch, der dann für einige Zeit den öffentlichen Diskurs beherrscht. Es scheint, daß, je dümmer der Spruch ist, um so größer seine Chancen sind, für die Welt der Akademiker und der Medien zum Leitstern zu werden - bis ein anderer Spruch auftaucht und den vorherigen ersetzt. Das letzte Beispiel ist der Spruch vom "Kampf der Kulturen". (...)
Was für ein Kampf der Ideen besteht zwischen dem muslimischen Indonesien und dem christlichen Chile? Welch ewiger Kampf zwischen Polen und Marokko? Was verbindet Malaysia mit dem Kosovo, zwei muslimischen Staaten? Oder zwei christliche Staaten wie Schweden und Äthiopien?
In welcher Weise sind die Ideen des Westens erhabener als die des Ostens? Die Juden, die den Flammen der Ketzerverbrennung der christlichen Inquisition in Spanien entronnen waren, wurden mit offenen Armen vom muslimisch-ottomanischen Imperium aufgenommen. Das kultivierteste europäische Volk wählte demokratisch Adolf Hitler zum Führer und beging den Holocaust, ohne daß der Papst seine Stimme zu Protest erhob.
(...)
Die Wahrheit ist natürlich, daß diese ganze Geschichte vom Kampf der Kulturen nichts anderes als ein ideologischer Deckmantel für etwas ist, das keinerlei Zusammenhang mit Ideen und Werten hat: die Entschlossenheit der USA, die Ressourcen der Welt - und insbesondere das Öl - zu beherrschen.”
(Uri Averny: Amerikas Rottweiler. Übersetzung Ellen Rohlfs, 27.8.2006, Quelle:
www.freace.de/artikel/200608/270806d.html)

Kopftuch, muslimisches
Zum muslimischen Kopftuch kursieren verschiedene Gerüchte hinsichtlich der Funktion und des Aussagegehaltes. Es ist wahlweise
- “ein Symbol für die Unterdrückung der Frau"
- "ein politisches Symbol" (beides Annette Schavan, Bildungsministerin, CDU. Zu ihrer einer Obsession nicht unähnlichen Fixierung auf das Kopftuch hier ein köstlicher Kommentar:
Schavans Hundeknochen)
- "Symbol einer mangelnden Gleichstellung von Frauen und Männern" (Bischof Wolfgang Huber)
- Ausdruck einer "fundamentalistischen Grundhaltung" (Ehrhart Körting, Innensenator Berlin, SPD)
- "Distanzierung von der Wertordnung des Grundgesetzes" (Monika Hohlmeier, CSU, u.v.m.)
- "bäuerliche Tradition" (Peter Strieder, SPD Berlin)
- "antidemokratisches Zeichen" (nochmal Huber)
- "politisches Symbol der islamistischen Bewegung und ihrer gesellschaftlichen Ordnungsvorstellung, die die Frau dem Mann unterordnet" (Antje Vollmer, Die Grünen, etwas verschwurbelt)
- “militante Kampfansage an die Werte unseres Grundgesetzes" (Erzbischof Wetter, München, gleicher Inhalt militanter ausgedrückt)
- "blutiges Symbol der Gottesstaatler" (Alice Schwarzer, differenziert wie immer)
Ja, was denn nun? fragen wir uns und wenden uns den islamischen Quellen zu: z.B.
hier >>

(P.S.: Ehrhart Körting ist in der Sache übrigens doch noch etwas weiter gekommen: Die Debatte in den vergangenen Wochen über ein Kopftuch-Verbot habe ihn "nachdenklicher" gemacht, sagte der SPD-Politiker laut der Berliner Zeitung (12.3.2004). Es müsse nämlich auch die Frage geklärt werden, wie der Staat mit muslimischen Frauen umgehe, die aus dem Anspruch, selbstbestimmt zu leben, Kopftuch tragen möchten. Selbstbestimmung ist schon mal ein guter Hinweis, finden wir.)
P.P.S.: Und jetzt ist es auch wissenschaftlich: Kopftuchträgerinnen sind keine Fundamentalistinnen
zur Studie der KAS >>
Koran (Qur’an)
Das oft zu Lesende; Name der dem Propheten Muhammad geoffenbarten Schrift, die abschließende Offenbarung Gottes für die Menschen, das Wort Allahs, in arabischer Sprache vermittelt. Der Koran besteht aus 114 >>Suren, die Suren ihrerseits aus >>ajat. Der Koran bestätigt, berichtigt und vervollkommnet die vorangegangenen Schriften der Offenbarung. Er ist in seiner unveränderten Form erhalten. Die Lesung von Teilen des Koran im Gebet erfoglt immer in arabischer Sprache (43:1 ff). Der Koran wurde dem Propheten Muhammad im Laufe von 23 jahren stückweise offenbart. Die Muslime lernte diese Offenbarungen von Anfang an auswendig und schrieben sie auch nieder. Auf die mündlichen und schriftlichen Zeugnisse zurückgreifend wurde nach dem Tode des Propheten eine Niederschrift angefertigt, die bei einer weiteren Niederschrift im Jahre 651 unter dem Kalifen >>Uthman erneut herangezogen wurde. Dieser Text ist bis heute unverändert und in der ursprünglichen Form erhalten.
zurück

Modernität
Der Islam und die Muslime verfügen über die Mittel, um den Herausforderungen der Moderne auf der sozialen, politischen und kulturellen Ebene zu begegnen. Das schließt freilich nicht die Notwendigkeit ein, sich den Diktaten der Ideologie des Modernismus zu beugen, die im Grunde nichts anderes ist als die Weise, in welcher der Westen seiner eigenen Modernität Gestalt verliehen hat. Der echte Dialog der Zivilisationen wird mit der gegenseitigen Anerkennung beginnen, dass es alternative Wege gibt, im Einklang mit seiner Zeit zu leben.
(Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

Muhammad
Der Gepriesene (Ahmad), der Prophet des Islam, geboren um 570 in Mekka als Sohn des Abdullah und der Amina, einer Nebenlinie des Stamm >>Quraisch zugehörig. Er wurde schon mit jungen Jahren zur Waise, sein Vater starb noch vor seiner Geburt und seine Mutter im Alter von ca. sechs Jahren. Er wurde zunächst von seinem Großvater, dann von seinem Onkel >>Abu Talib, dem Vater >>Alis aufgezogen, heiratete mit 25 Jahren die angesehene ältere Kaufmannswitwe Chadidscha, von der er mehrere Kinder hatte, darunter Fatima. Er zog sich des öfteren nachdenklich zurück und erhielt in der Höhle Hira die erste Offenbarung, die ihm Gabriel überbrachte. Bald erhielt er weitere Offenbarungen und den Auftrag, den ungläubigen Einwohnern Mekkas das kommende Gericht und den einen Gott >>Allah zu verkünden. Als die Botschaft des Propheten die Interessen der Quraisch gefährdete, verfolgte man seine Anhänger. Als der Druck auf die junge Gemeinde zunahm, vereinbarte der Prophet mit Einwohnern Madinas bei Aqaba die Umsiedlung nach Madina. Die Auswanderung fand im Jahr 622 statt. In Medina bildete der Prophet eine Gemeinschaft aus den >>Ansar und den Muhadschirun (Auswanderer). Es gab daraufhin einige kriegerische Auseinandersetzungen mit den Quraisch. Die wichtigsten Kämpfe waren in Badr und Uhud. Nach dem Bruch des Friedens von Hudaibija zog der Prophet im Jahr 630 mit zahlreichen Anhängern in Mekka ein, der Führer von Mekka, >>Abu Sufjan übergab die Stadt kampflos. Muhammad ließ die Götzenbilder in Mekka vernichten und kehrte nach Medina zurück, wo er 632 starb und begraben wurde. Sein erster Kalif (Nachfolger) wurde Abu Bakr.
zurück

Muslim
Der sich Allah ergeben hat; Bezeichnung für den, der dem Islam angehört.
zurück

Muslim
Name des wichtigsten >>Hadith-Sammlers neben >>Buchari, gleichfalls Bezeichnung für sein Sammelwerk. Muslim (gest.875) war ein Zeitgenosse Bucharis und erstellte unabhängig von ihm eine ebenbürtige Sammlung von ahadith der Kategorie >>sahih.
zurück

Okzident - Orient
Der Gegensatz, der zwischen diesen beiden Polen konstruiert wird, die für zwei widerstreitende Zivilisationen stehen, entspringt einer vereinfachenden und gefährlichen Sichtweise. Beide durchziehen vielfältige Dynamiken, und es gibt im Okzident wie im Orient Frauen und Männer, die entschieden sind, Widerstand gegen die Logik von Gewinn und Produktivität zu leisten, die uns eine ökonomistische und unmenschliche “Globalisierung” aufzwingt. Die Frauen und Männer guten Willens - ob Juden, Christen, Humanisten oder Muslime - müssen fortan der gefährlichen Herausforderng begegnen, sich nicht “im Feind zu täuschen” und gemeinsam zu handeln, um die Menschenwürde zu verteidigen.
(Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

Quraisch
Ein arabischer Stamm, der die Stadt Mekka beherrschte. In der Frühzeit des Islam waren die Quraisch Gegner des Propheten Muhammad, der mit seinen Anhängern vor ihrer Unterdrückung nach Madina fliehen mußte. Die Sure 106 bezieht sich auf die Quraisch.
zurück

Reform
Eine prophetische Überlieferung kündigt an, dass jedes Jahrhundert ein Reformer kommen wird, um das Verständnis zu erneuern, das die Muslime von ihrer Religion haben. Es ist diese Erneuerung - nicht der Quellen, sondern ihrer Interpretation -, die die Entwicklungsfähigkeit und die Anpassung der islamischen Lehren an den Kontext und die Zeit ermöglicht. Die Muslime müssen sich darum bemühen, diese Geisteshaltung unablässig wachzuhalten und zwar insbesondere in neuen Umgebungen wie in Europa.
(Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

Sabr
Geduld ist eines der Kennzeichen des wahren Gläubigen. Der Koran kündigt den Gläubigen Prüfungen an (2:150), die sie mit Geduld und Gottvertrauen (>>tawakkul) bestehen sollen.
zurück

Sadaqa
Der Koran empfiehlt neben der zur Pflicht gemachten Abgabe an die Bedürftigen (>>zakat) das freiwillige Almosen. Man gibt Almosen, um Gottes Wohlgefallen zu erlange, nicht um Ansehen bei den Menschen zu erlangen. Darum rät der Koran, Almosen nicht in der Öffentlichkeit zu geben, obwohl dies statthaft ist (2:273).
zurück

sahih
gesund; die beste Art des >>hadith, gegen über hassan (gut) und da’if (schwach)
zurück

sakina
Al-Sakina - die Ruhe, der innere Friede, die Zufriedenheit. Es ist die Ruhe, die sich bei den Gläubigen einstellt, die mit Gott und sich selbst im Reinen sind. Im Koran wird al-sakina im folgenden Vers erwähnt:
Er ist es, Der die Ruhe (al-sakina) in die Herzen der Gläubigen sandte, damit sie ihrem Glauben Glauben hinzufügen [...] (48:4)
zurück

Schari’a
Die Regierungen und manche Rechtsgelehrten haben dazu beigetragen, diesem Begriff eine irrige Definition zu geben. Es handelt sich nicht um ein repressives Strafrecht, das heute von den autokratischen Regimes im Dienste der religiösen Legitimation eingesetzt wird. Scharî’a bedeutet “Pfad, Weg zur Quelle”; der Begriff beinhaltet eine Konzeption und Lebensweise, deren vier Säulen sind: der Glaube an den einigen Gott, die Achtung der Schöpfung, die Würde der Menschheit und die Gerechtigkeit.
(Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

Schi’a
Anhängerschaft. Die Anhänger des >>’Ali und seiner Nachfahren, eine Gruppe von Muslimen mit der Aufassung, daß ‘Ali der rechtmäßige Nachfolger des Propheten ist. Sie betrachten eine Reihe von Nachkommen des Ali und der >>Fatima als rechtgeleitete Führer (>>Imam), darunter Hasan und Husain, der in der Schlacht von Kerbela sein Leben ließ und dessen Tod die Schi’iten bis heute betrauern. Zahlenmäßg sind die Schi’iten eine Minderheit (Ca. 10% der Muslime), meist im Iran (dort Staatsreligion) und im Libanon ansässig.
zurück

Schirk
Beigesellung. Allah etwas beigesellen, die einzige Sünde, die Allah nach dem Koran nicht vergibt (4:51). Schirk bedeutet, etwas anderem außer Allah zu dienen. Schirk ist das Gegenteil von >>Islam und >>Tauhid.
zurück

Schura (Beratung)
>> Beratung

Sunna
Weg, Vorbild. Beispiel für eine Lebensweise, speziell gebraucht für das vorbildhafte Leben des Propheten Muhammad, das für den Muslim zweite Wissensquelle neben dem Koran ist. Man unterscheidet das Vorbild der Tat, des Wortes und der Feststellung (d.h. dessen, was der Prophet geduldet hat). Die Sunna wird im >>Hadith (Bericht über die Sunna) überliefert. Der Muslim bemüht sich, in allen Lebensbereichen, dem Vorbild des Propheten zu folgen, um ein Gott wohlgefälliges leben zu führen (33:21).
zurück

Sunniten (sunni)
Bezeichnung für die zahlenmäßig größere Gruppe von Muslimen (ca. 90%), welche die vier Kalifen nach dem Propheten, im Gegensatz zur >>Schi’a, als rechtmäßig anerkennen und auch die die schi’itische Auffassung vom Amt des Imams nicht teilen. Unter den Sunniten haben sich die vier bekannten Rechtsschulen (Madhab) herausgebildet.
zurück

Sure (sura)
Bezeichnung für “Kapitel” im Koran. Der Koran hat 114 Suren, die in Verse (aja) unterteilt sind (24:1)
zurück

Tauhid
Bezeichnung für die Einheit und Einzigkeit >>Allahs, das Fundament des Islam (112, 1-4)
zurück

Tawakkul
Gottvertrauen; zusammen mit Geduld (>>sabr) ein Kennzeichen des aufrechten Muslim. Der Prophet hat gelehrt: Erst binde dein Reittier an, dann vertraue auf Allah.
zurück

Umma
Die Gemeinschaft der Muslime, die durch den Islam zusammengehalten wird und über Abstammung, Verwandtschaft und Status hinausgeht (3:106).

Die Muslime sind dazu angehalten, das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft der Gläubigen zu pflegen. Diese Einheit von Glauben und Spiritualität darf sie nicht daran hindern, ein Verständnis ihres Kontextes zu entwickeln, das ihnen erlaubt, aufrichtige und engagierte Bürger in dem Land, in dem sie heimisch sind, zu sein: in Frankreich in Deutschland wie in jedem anderen Land. Ein deutscher Muslim muss mit all seinen Mitbürgern daran mitarbeiten, eine deutsche Gesellschaft im Streben nach Wohlfahrt und Gerechtigkeit aufzubauen. (Ramadan, Das abgelehnte Lexikon)
zurück

Umayaden
Name der von 661 bis 750 herrschenden Dynastie von 14 Kalifen, die das Kalifat erblich machte, und die von den Abbasiden abgelöst wurde.
zurück

Umar Ibn al-Khattab (r.a.)
Umar (r.a.) war einer der herausragendsten Gefährten des Propheten und der zweite der rechtgeleiteten Kalifen, die nach dem Propheten die Gemeinde führten. Unter ihm wurden Syrien, Ägypten, der Irak und Persien erobert. (Regierungszeit: 634 - 644)
zurück

‘Uthman
‘Uthman, der dritte >>Kalif, der von 644 bis 656 regierte und unter dem der >>Koran noch einmal niedergeschrieben wurde.
zurück

zakat
Z
akat leitet sich vom Verb zaka ab , das “reinigen” bedeutet. Mit der Zakat reinigt man seinen Besitz und schützt sich vor Egoismus. Die Entrichtung der Zakat ruht auf festen Regeln aus Koran und >>Sunna. Empfänger von Zakat sind die Armen, Verschuldeten, Gefangenen, Reisenden u.a. Man zahlt die Zakat einmal im Jahr, oft während des Ramadan. Als Grundsatz gilt: Wer mehr als ein festgesetztes Mindestmaß von Besitz hat, dessen Wert zunehmen kann, ist verpflichtet, vom Gesamtbesitz dem einen festen Teil zu geben, dessen Besitz unter dem Mindestmaß liegt. Mit der Zakat ist ein sinnvolles und gerechtes Verhältnis zum materiellen Besitz ermöglicht.
zurück

Quellen:

Ahmad von Denffer: Kleines Wörterbuch des Islam. Lützelbach 1986.

Tariq Ramadan: Das abgelehnte Lexikon. In: Muslimsein in Europa. Köln 2001, S. 312-319.

Close
Close

Please enter your username or email address. You will receive a link to create a new password via email.

Close

Close